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Portrait der Zunft

Bunte Vielfalt

Für eine verhältnismäßig junge Zunft präsentieren sich die Narrenfiguren in einer wohltuenden Vielfalt. So gibt es Masken aus Holz und Stoff, als Vollholzmaske und als klassische Halbmaske, glatt und strukturiert.
Harmonisch die Häs-Farben: grün mit braun, rot mit schwarz, dunkelgrün und weiß.
Das Material fein und rustikal: Leinen, Cordsamt, Baumwollköper.
Die Gestaltung schlicht und aufwendig: mit Borden und Fransen benäht und von Hand bestickt.
Das Zubehör abgestimmt: Schellen, Ratschen, Binsenwedel.

Moschtkopf und Binsengeist, Pflasterbuz und Kornköffler

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Die Lindauer Moschtköpfe sind 1960 entstanden.
Die ersten Vollholzmasken wurden von einem Tiroler Holzschnitzer aus Innsbruck als Apfel und Birne gestaltet. Die Form ist geblieben, geschnitzt werden sie jetzt allerdings von heimischen Künstlern. Das Häs besteht aus einem grünen Bauernkittel, mit Borden verziert und einer braunen Kniehose. Dazu kommen ein roter und ein grüner Strumpf. Holzrätschen dienen als Lärminstrument.
Die Moschtköpfe erinnern an Lindauer Rebleute, deren Reben im 19. Jahrhundert die Reblaus den Garaus gemacht hat. Notgedrungen stiegen sie auf Obstbau um, der auch heute noch ein Schwerpunkt der ansässigen Landwirte darstellt. Erfreulich die Tatsache, dass der Weinbau wieder seinen Platz in Lindau gefunden hat. Ausgezeichnete Tropfen erfreuen Jahr für Jahr des Weintrinkers Gaumen. Der Name Moschtkopf gibt es allerdings schon längere Zeit. So kann im Städtischen Archiv nachgelesen werden, dass bereits 1830 Moschtkopf als Spottname für die Lindauer benutzt wurde. Vereinzelt taucht er auch heute noch auf. Wenn am Gumpigen Donnerstag der Narrenbaum am Alten Rathaus steht, dann ist endgültig Fasnacht in Lindau. Es gibt keinen besseren Platz und keinen besseren Zeitpunkt um neue Mitglieder in die Gruppe aufzunehmen und voller Freude um den Narrenbaum zu tanzen. Der sehenswerte, wunderschöne Rundtanz der Moschtköpfe beschließt einen Tag voller Lebensfreude und die Menschen wünschen sich: "Eine glückselige Fasnacht".
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Die Lindauer Binsengeister wurden 1963 geboren. Schöpfer sind der Lindauer Textilkaufmann Hermann J. Müller und der aus Überlingen stammende Bildhauer Willi Veit.
Grüner Kordsamt ist das Material für den gerade geschnittenen Kittel und einer langen Hose. Verziert wird das Häs mit Borten, Fransen und 4 kleinen Kupferschellen. Eine Besonderheit stellt die ebenfalls aus Kordsamt hergestellt Haube mit ausgeschnittenen Augen-, Mund- und Nasenlöchern. Zwischen den Augenlöcher ist ein etwa 30 cm langer Rüssel angenäht, dessen Ende in einer stilisierten Libelle ausläuft.
Die Lindauer Binsengeister stellen symbolisch die enge Verbindung Lindaus zum Bodensee da, gab es doch in früherer Zeit an den Ufern ausgedehnte Schilffsflächen. Ideale Orte für Geister und Kobolde. Jährlich, zu Beginn der Fasnachtszeit, wird in die Geburt dieser Geister in einem kleinen Schauspiel nachgestellt.
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Pflasterbuz Pflasterbuz Pflasterbuz Pflasterbuz
Die Lindauer Pflasterbuzen traten erstmals 1969 als Gemeinschaftswerk von Michael Feuerle, Margot und Horst Bäckert in Erscheinung. Die "Plasterbuzen" tragen einen schwarzen Kordsamtkittel, dicht mit roten Fransen benäht. Auch auf der aus gleichem Material hergestellten lange Hose befinden sich roten Fransen. Zusätzlich wurden je Hosenbein vier schwarze Schellen angebracht. Die schwarze Halbmaske aus Holz durchziehen tiefe Furchen. Eine große Hackennase, Stielaugen und zwei mächtige Zähne verstärken den schaurigen Gesichtsausdruck. Ein weit über den Rücken reichendes schwarzes Tierfell bildet den Maskenabschluss.
 
Buz, angelehnt an das mittelhochdeutsche butze, steht für Poltergeist, Schreckgestalt. Und als "Dämon" treibt der Buz in dunklen Nächten in den Gassen unserer Stadt sein Unwesen.
 
Ein Höhepunkt in der Lindauer Fasnacht ist unbestritten der Buzentanz am rußigen Freitag.
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Als vierte und letzte Narrengruppe verstärkten die Lindauer Kornköffler 1970 das Gesamtbild der Narrenschar. Es waren Helene, Kaspar und Gisbert Grübel, die diesen Narr schufen
Der "Kornköffler" trägt eine hölzerne Glattmaske mit einem lieblichen, verschmitzten Gesichtsausdruck, dazu ein mit Getreideähren, Korn- und Mohnblumen handgesticktes, weißes Gewand, bestehenden aus einer gesäßdeckenden Jacke und einer langen Hose. Er ist ein typischer Weißnarr und erinnert an den hauptsächlich auf der Baar beheimateten Narrentyp. Zwei über Brust und Rücken gekreuzte Schellengurte vervollständigen das Erscheinungsbild. Auch dürfen die sog. "Foulards", bunte Narrentücher nicht fehlen. Sie sind der Stolz eines jeden Köffler, zeigen sie doch durch ihre Anzahl wie lange er schon Mitglied in der Gruppe ist.
Nicht selten gab es im 15. Jahrhundert zwischen den einzelnen Handwerkszünften Streitigkeiten, die durch den Rat der Stadt geschlichtet werden mussten. So auch eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Bäckern und den Kornköfflern d.h. den Kornhändlern. Hier entschied 1428 der Rat, dass die Kornköffler ihren Kindern Brot backen lehren durften ohne für sie die Knechtzunft der Bäcker kaufen zu müssen. Es waren der wohlklingende Name, die Kenntnisse über den bis ins 19. Jahrhundert hineinreichenden regen Getreidehandel und die Fasnachtserinnerung des Alt-Lindauers Alfred Starke (Lindauer Zeitung vom 20.1.1967), die die Narrengruppe der "Lindauer Kornköffler" entstehen ließen.
Auch der Köfflerjuck am rußigen Freitag gehört zu den sehenswerten Besonderheiten der närrischen Inselstadt.
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Erst Laufnarren, Fanfarenzug, Narreneltern und Narrenbüttel machen die Narrenzunft Lindau komplett.
Die Laufnarren sind wichtige Unterstützer in der Organisation einer Zunft. Viele Aufgaben können von Maskenträger nicht erfüllt werden. Zu jeder Narrenzunft gehört ein Klangkörper, sei es eine Narren- oder Schalmeienkapelle, eine "Lumpen- oder Katzenmusik" oder ein Fanfarenzug. Die Lindauer Zunft entschloss sich 1971 zum Aufbau eines Fanfarenzugs. Seitdem ist der Fanfarenzug im fasnächtlichen Geschehen nicht mehr wegzudenken.
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Narreneltern
Die Narreneltern gehören in jede Narrenzunft. In vielen Narrenorten werden die Narreneltern nur von Männern dargestellt. Hintergrund ist die Tatsache, dass Fasnacht in früherer Zeit nur ein Fest für Männer war. Kinder, Jugendliche und Frauen waren nicht beteiligt. Eine Regel, die nicht mehr in die heutige Zeit passt und für Lindau keine Gültigkeit hat. Die Narreneltern stellen eine Vater- und Mutterfigur dar, die sich während der Fasnacht des "Narrensamens", also der kleinen Zunftmitglieder, aber auch der kleinen Mäschkerle annehmen. moschtkoepf
Narrenbuettel
Der Narrenbüttel sorgt als Einzelfigur für Zucht und Ordnung innerhalb der Zunft und "säubert" bei allen Veranstaltungen die Straßen. Außerdem notiert er alle närrischen und unnärrischen Sünder, um ihnen bei Gelegenheit die Levite zu lesen. Eine tragenden Rolle spielt der Narrenbüttel beim Häsabstauben am ersten Freitag nach Drei-König.